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Pilze und die menschliche Zivilisation

Pilze - mehr als nur ein Nahrungsmittel

Die Geschichte der menschlichen Zivilisation ist immer schon eng mit Pilzen verwoben, sowohl im positiven als auch im negativen Sinn. Pilze wurden und werden auch heute noch von vielen Kulturen nicht nur als Nahrung angesehen, sondern haben auch als Heilmittel Bedeutung oder um zu spirituellen Einsichten zu gelangen. Daneben haben sich Pilze aber auch bewährt um etwaige Konkurrenten zu beseitigen. So wurden der römische Kaiser Claudius II., Papst Clemens VII.  und der französische König Charles VI. durch Pilze (vermutlich Knollenblätterpilze) vergiftet.

Die ältesten Aufzeichnungen über den Gebrauch von Pilzen durch den Menschen reichen mehr als 10.000 Jahre zurück. Auf Felsmalereien in den Tassili-Höhlen in der Sahara sind unter anderem ein Schamane zu sehen, der einen Pilz in der Hand hält. Historiker deuten diese Darstellung als einen Hinweis auf Rituale, die unter dem Einfluss halluzinogener Pilze durchgeführt wurden. Hinweise auf ähnliche schamanische Rituale finden sich auch auf 6000 Jahren alten Felsmalereien in der Selva Pascuala im Norden von Spanien (siehe Titelbild).

Die in den Ötztaler Alpen gefundene Gletschermumie Ötzi (ca. 3200 v. Chr.), hatte neben verschiedenen Kleidungsstücken und Waffen auch einen Zunderschwamm (fomes fomentarius) sowie einen Birkenporling (Piptoporus betulinus) bei sich. Zunderschwämme wurden, daher der Name, zum Aufbewahren von Zunder verwendet, um mit wenig Aufwand Feuer zu machen. Außerdem weisen sie blutstillenden Eigenschaften auf. Birkenporlinge sind ein bekanntes Naturheilmittel gegen Magenbeschwerden.

Bis zum späten Mittelalter wurden in Europa wenig Fortschritte gemacht um die Lebensbedingungen von Pilzen zu verstehen. Es wurden zwar einige Pilzarten benannt und beschrieben, der generelle Konsensus, der sich bis in die Neuzeit hielt, war aber, dass Pilze „durch schlechte Ausdünstungen der Erde oder von faulendem Untergrund entstünden“. Pilze waren bekannt als „excrementa terrae“ – natürlich war es nicht wünschenswert die Ausscheidungen der Erde zu essen.

Anders sah die Lage in China aus. Hier der hat im Jahr 1245 n. Chr. Chen Yen-Yu Beschreibungen über Morphologie, Entwicklung, saisonale Einflüsse, Zuchtmethode und Zubereitung von 15 verschiedenen Pilzen veröffentlicht. Genaueres zur Geschichte der Zucht findest du hier.

In Süd- und Mittelamerikanische Kulturen, wie den Azteken und den Maya, wurden (halluzinogene) Pilze vor allem für spirituelle Rituale verwendet. So galt der, unter deutschem Namen bekannte, mexikanische Kahlkopf (psilocybe mexicana) auch als „Fleisch der Götter“. Der Pilz wurde oft als direkte Verbindung zu den Göttern aufgefasst.

Im Jahr 1588 hat Giambattista Porta in seinem Werk Phytognomoniica zum ersten Mal Pilzsporen beschrieben. 

Die erste methodische Beschreibung aller damals bekannten Pilzarten erstellte Elias Fries (1707 – 1788).

Quellen:

Edible and Medicinal Mushrooms – Diego Cunha Zied & Arturo Prado-Gimenez (2017)
Mushroom Cultivation IV – Peter Oei (2018)
Growing Gourmet and Medicinal Mushrooms – Paul Stamets (2000)