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Mykorrhizapilze und Dürre: Hilfe für den Wald?

    brown rocks on brown soil

    Sebastian Reindl · Stoff’n e.U., Schleedorf · ca. 5 min Lesezeit

    Ich steh im August auf der Wiese hinterm Haus in Schleedorf, schau in Richtung Waldrand – und sehe braune Fichtenkronen, wo vor fünf Jahren noch sattes Grün war. Der Sommer 2026 war für Österreichs Wälder brutal, und wer sich mit Böden und Pilzen beschäftigt, kommt an einer Frage nicht vorbei: Was haben Mykorrhizapilze und Dürre eigentlich miteinander zu tun – und können uns diese unterirdischen Partnerschaften helfen, künftige Trockenjahre besser zu überstehen?

    Der Sommer 2026: Wie die Dürre Österreichs Wäldern zusetzt

    Laut einer aktuellen Auswertung von science.ORF.at hat die Dürre 2026 vor allem in Oberösterreich, Niederösterreich und der Südsteiermark massive Schäden angerichtet. Betroffen sind vor allem Bestände an Südhängen und auf flachgründigen Böden – dort, wo Bäume kaum an Wasserreserven aus tieferen Schichten kommen. Alpine Wälder sind vergleichsweise glimpflich davongekommen, die Vorlandbereiche dagegen deutlich schlechter.

    Der Wiener Biodiversitätsforscher Franz Essl beschreibt die Folgen drastisch: „Baumgerippe“ mit vertrocknetem oder bereits abgeworfenem Laub prägen mittlerweile ganze Landstriche. Monatelange Hitze und Trockenheit treiben viele Baumarten an ihre physiologische Grenze – die Folge: geschädigte Bestände sterben teilweise ab. Das hat nicht nur ökologische, sondern auch wirtschaftliche Folgen, etwa über sinkende Holzpreise und den Verlust von Lebensräumen für Arten, die auf alte, große Bäume angewiesen sind.

    Besonders bemerkenswert: Österreichs Wälder waren vor zehn bis fünfzehn Jahren noch bedeutende CO2-Senken. Mittlerweile setzen geschädigte Waldflächen laut Essl mehr CO2 frei, als sie binden – ein Effekt, der mit rund zehn Prozent in die österreichische CO2-Bilanz einfließt.

    Mykorrhizapilze und Dürre – was steckt hinter der Partnerschaft?

    Genau hier kommen Pilze ins Spiel – aber nicht die, mit denen ich in meinem Betrieb normalerweise arbeite. Austernpilz und Shiitake, die wir bei Stoff’n auf Substrat ziehen, sind Saprophyten: Sie ernähren sich von totem organischem Material, ganz ohne lebende Wurzel als Partner. Mykorrhizapilze funktionieren komplett anders. Sie gehen eine Symbiose mit lebenden Pflanzenwurzeln ein – der Pilz liefert Wasser und Nährstoffe aus dem Boden, die Pflanze liefert im Gegenzug Zucker aus der Photosynthese.

    Man unterscheidet grob zwei Gruppen. Die meisten heimischen Waldbäume wie Fichte, Buche oder Kiefer bilden Ektomykorrhiza – hier legt sich das Pilzgeflecht wie eine Hülle um die Feinwurzeln, bekannte Vertreter sind etwa Steinpilz oder Fliegenpilz (mehr dazu bei First Nature). Viele krautige Pflanzen, Ackerkulturen und manche Laubbäume wie Ahorn oder Esche gehen dagegen arbuskuläre Mykorrhiza ein, bei der die Pilzhyphen sogar in die Wurzelzellen einwachsen.

    Wie das Pilzgeflecht bei Trockenheit hilft

    Für beide Formen gilt ein ähnliches Prinzip: Das feine Pilzgeflecht (Myzel) reicht viel weiter in den Boden hinein, als es Feinwurzeln allein könnten, und erschließt so zusätzliche Wasserreserven. Dazu kommt, dass Mykorrhizapilze die Bodenstruktur verbessern – unter anderem durch Glomalin, eine Art Pilz-Klebstoff, der Bodenpartikel zu stabilen Krümeln verbindet und dadurch die Wasserspeicherfähigkeit erhöht. Eine erst kürzlich veröffentlichte Studie auf ScienceDirect bestätigt einmal mehr, dass standortangepasste, also heimische arbuskuläre Mykorrhizapilze Pflanzen spürbar widerstandsfähiger gegen Trockenstress machen können – unter anderem, weil sie die Nährstoffversorgung stabilisieren und den Pflanzen offenbar helfen, ihren Wasserhaushalt besser zu regulieren.

    Kein Wundermittel – aber ein Teil der Lösung

    So spannend das klingt: Mykorrhizapilze werden Österreichs Wälder nicht im Alleingang retten. Die meisten Studien zu diesem Thema stammen aus der Landwirtschaft oder von Jungpflanzen im Gewächshaus – ob und wie stark sich das auf einen 80 Jahre alten Fichtenbestand am Südhang übertragen lässt, ist eine andere Frage. Pilznetzwerke im Wald brauchen Jahrzehnte, um sich aufzubauen, und sie funktionieren nur, wenn der Boden selbst noch intakt ist.

    Essl bringt es in seinem Fazit auf den Punkt: Klimapolitik sei „keine Kür, sondern eine Überlebensnotwendigkeit“. Als konkrete Maßnahmen werden unter anderem der Umbau zu Mischwäldern, mehr Wasserrückhalt in der Landschaft und eine gezielte Förderung über eine „Biodiversitätsmilliarde“ genannt. Gesunde Pilznetzwerke im Boden sind dabei ein Baustein von vielen – kein Ersatz für all das andere.

    Was ich gelernt habe: Mit Mykorrhiza kenne ich mich, ehrlich gesagt, deutlich weniger aus als mit meinen Speisepilzen – das war für mich beim Recherchieren dieses Artikels selbst nochmal ein Aha-Moment. Was ich aber aus eigener Erfahrung bestätigen kann: Wie ein Boden mit Trockenheit umgeht, hängt brutal stark davon ab, wie viel organisches Leben noch drin steckt. Auf Flächen, die ich mit Pilzsubstrat-Resten und Mulch aufgewertet habe, hält der Boden Wasser spürbar länger als auf blanker, verdichteter Erde daneben. Ich hab in diesem Sommer öfter gegossen als in den Jahren davor – und trotzdem gemerkt, dass die gemulchten Beete deutlich weniger gelitten haben.

    Praktische Tipps für deinen Boden

    Für Hobbyzüchter und Gartenbesitzer

    • Boden mulchen: Eine Mulchschicht aus Stroh, Laub oder gebrauchtem Pilzsubstrat hält Feuchtigkeit im Boden und schützt das Bodenleben vor Hitze.
    • Wenig, aber tief gießen: Lieber seltener und dafür durchdringend wässern – das fördert tiefere Wurzeln statt oberflächlicher.
    • Boden nicht verdichten: Wege nicht quer durchs Beet, schwere Geräte meiden – ein lockerer Boden lässt Pilzgeflechte und Wurzeln überhaupt erst wachsen.
    • Bei Neupflanzungen von Bäumen und Sträuchern kann ein Mykorrhiza-Präparat sinnvoll sein, aber realistisch bleiben: Die Wirkung hängt stark vom Boden und der jeweiligen Pflanze ab, ein Wundermittel ist das nicht.

    Für Neben- und Vollerwerb

    • Standortgerechte Baumartenwahl: Bei Aufforstung oder Nachpflanzung auf trockenheitstolerante, an den Standort angepasste Arten setzen statt auf reine Fichtenmonokulturen.
    • Befahrung reduzieren: Schwere Forstmaschinen verdichten den Boden und zerstören Pilzgeflechte – wo möglich, feste Rückegassen nutzen und den Rest des Bestands schonen.
    • Mischwaldkonzepte mit der Forstberatung durchsprechen: Es gibt regionale Förderprogramme für den Waldumbau, die sich oft finanziell auszahlen.
    • Wasserrückhalt mitdenken: Kleine Maßnahmen wie Geländestufen oder der Erhalt von Feuchtstellen im Bestand helfen dem gesamten Wasserhaushalt der Fläche.

    Fazit

    Die Dürre 2026 zeigt einmal mehr, wie sehr unsere Wälder unter Druck stehen – und Mykorrhizapilze sind dabei ein Teil des Bildes, der oft übersehen wird, weil er sich unter der Erde abspielt. Für mich als Pilzzüchter ist das ein guter Anlass, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen: Es gibt eben nicht nur die Pilze, die wir essen, sondern auch die, ohne die unsere Wälder gar nicht funktionieren würden.

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